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Einsatz in Sumbawanga 2011 Drucken
Vom 1. bis 20.8.2011 waren wir zum zweiten Mal in Tansania in Sumbawanga. Begleitet wurde ich in diesem Jahr wieder von meiner Frau aber auch unserem Sohn Martin und seiner Freundin Steffi, beides Medizinstudenten. Ziel war in diesem Jahr, neben der Hilfe für Dr. Maufi die Durchführung eines Untersuchungsprogrammes für Kinder in Grundschule.

Nach Nachtflug via Kairo und zweitägiger Fahrt mit dem Auto erreichten wir Sumbawanga am 3.8.2011.

das_Team_der_Augenabteilung_und_wirIn Sumbawanga wurden wir mit der bekannten Herzlichkeit aufgenommen. Wir hatten wieder zahlreiche Spenden in unserem Gepäck, u.a. ein Gerät für den OP-Saal, ein Instrument zur besserer Untersuchung von Patienten vor der OP und vor allem Geld für den Einkauf von Intraokularlinsen, Material und den s.g. poor people fund. Mit diesem Geld wird es möglich, arme Patienten, welche die Kosten einer OP nicht zahlen können, trotzdem zu operieren.

Dr. Maufi hatte unser Kommen bekannt gemacht und „free surgery", d.h. kostenlose Operationen für alle Patienten angekündigt. Die Folge war, dass im Vergleich zu 2009 unglaubliche Mengen von Patienten auf eine Behandlung warteten. Im Jahr 2009, als alle Patienten die normale Gebühr von umgerechnet 15 EUR pro Katarakt – OP zahlen mussten, wurden in zwei Wochen insgesamt etwa 20 Operationen durchgeführt. In diesem Jahr standen nach den ersten drei Tagen schon über 100 Patienten auf dem OP-Plan. Da sich dies so fortsetzte, habe wir uns in der zweiten Woche die Arbeit geteilt, Dr. Maufi hat operiert und ich habe mit Hilfe eines Optometristen die Patienten untersucht. Dennoch haben wir es bis zur Abreise nicht geschafft, die Traube von wartenden Patienten vor der Augenabteilung völlig abzuarbeiten. Die genauen Zahlen der behandelten Patienten wissen wir noch nicht, da es das Team der Augenabteilung nicht geschafft hat, parallel OP´s, Screening und Buchführung zu bewältigen. Dr. Maufi hat uns zugesagt, einen ausführlichen Bericht nachzuliefern.

Schulkinder_warten_auf_die_AugenuntersuchungDas oben gesagte klingt auf den ersten Blick sehr gut, hat aber auch eine Kehrseite. Die kostenlosen Operationen waren nur möglich, weil wir das Geld dafür zur Verfügung gestellt haben. Unter den operierten Patienten waren auch zahlreiche Menschen, welche sich durchaus die normalen OP-Kosten hätten leisten können. Da Dr. Maufi den normalen Betrieb der Augenabteilung z.T. über die Gebühren für die OP´s finanzieren muss, fehlen ihm diese nun.

Parallel zur Tätigkeit in der Augenabteilung des Regional Hospital waren meine Frau, Steffi, Martin und der andere Optometrist der Augenabteilung in insgesamt 13 Grundschulen und der Blindenschule von Sumbawanga um Kinder zu screenen. Dieser Einsatz war von Dr. Maufi vorbereitet und mit den jeweiligen Schuldirektoren besprochen worden. Insgesamt wurden ca. 1.150 Schüler untersucht. Bei ca. 60-70% der Kinder in den Grundschulen fand sich ein regelrechter Augenbefund. Aber auch mehr als 300 Kinder wurden aufgefordert, sich wegen gefundener Sehstörungen oder organischer Augenerkrankung in der Augenabteilung vorzustellen. Bei ca. 20% der Kinder lag offensichtlich eine nicht korrigierte Fehlsichtigkeit vor.

Martin_und_Steffi_bei_KinderscreeningDie Bedeutung dieser Tätigkeit in den Schulen unterstreicht auch, dass wir von der Deutschen Augenärztlichen Gesellschaft (DOG) mit der diesjährigen Forschungsföderung Tropenophthalmologie bedacht wurden. Neben der Tatsache, dass wir zahlreichen Kindern helfen konnten, besser zu sehen oder bleibende Sehschäden zu vermeiden, sind die bei den Untersuchungen erhobenen Daten eine wichtige Grundlage für die Planung weiterer Einsätze.

Die Blindenschule in Sumbawanga ist augenärztlich nicht betreut. Wir haben Kinder gesehen, die offensichtlich kurzsichtig waren und nur eine Brille brauchen würden. Wir haben Dr. Maufi und die Optometristen gebeten, sich um diese Kinder zu kümmern. Bei folgenden Einsätzen wäre ein Besuch in der Blindenschule sicher ein wichtiger Punkt. Die Blindenschule betreut schwerpunktmäßig die Albinos aus dem Rukwa Distrikt.

wartende_Patienten_vor_der_AugenabteilungEin großes Problem stellt in Sumbawanga vor allem die Versorgung mit Verbrauchsmaterial wie OP-Handschuhe, Spritzen, Desinfektionsmittel u.ä. dar. So haben wir während unseres Aufenthaltes Dr. Maufi zusätzlich Geld zum Kauf von Handschuhen, Spritzen und Alkohol gegeben, da die Vorräte im Krankenhaus für den ungeheuren Ansturm von Augenpatienten nicht ausreichten. Ebenso mussten wir Geld für den Kauf von Intraokularlinsen nachschießen, da sich der Linsenpreis in Tansania von Juni 2011 zu August 2011 von umgerechnet 2 EUR auf fast 5 EUR pro Linse mehr als verdoppelt hatte.

 

Als Fazit:

Dr. Maufi braucht und verdient unsere weitere Hilfe. Er hatte unseren Einsatz sehr gut vorbereitet. Seine Operationen führt er sicher, überlegt und zügig durch.

Auffällig waren sehr viele durch einen Grünen Star erblindete Patienten. Hier ist ein neues Aufgabenfeld für kommende Einsätze.

Bei den Kinderuntersuchungen haben wir kaum Schulkinder mit Brillen angetroffen, obwohl ca. 20% der Kinder fehlsichtig waren. Auch hier ist ein sinnvolles Betätigungsfeld für spätere Einsätze.

 

Zuletzt aktualisiert am Montag, den 07. November 2011 um 21:53 Uhr
 
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